Mittwoch, 9. Juni 2010

Fundsachen und Fragen
(NEZ 5.6.2010)

Das Geld ist immer knapp
"Schleuse" verzeichnet leichten Rückgang bei jugendlichen Straftätern/Loch in der Vereinskasse
(Artikel über die Jugendhilfeeinrichtung Die Schleuse e.V., eine Anlaufstelle für straffällig gewordene Jugendliche)

(Zitat) Unabhängig vom Wohnort "verweile" ein hoher Anteil der Schleusen-Klienten als Berufsschüler in Berufsvorbereitungsjahren oder sonstigen Warteschleifen. Was den Jugendlichen oft fehlt, sind laut Sturm Bildung und Perspektiven. "Wer Arbeit findet und damit Anerkennung, hat die besseren Zukunftsaussichten."

Sollten Hilfsangebote und Unterstützung dann nicht viel früher bereitstehen? Hat nicht jeder ein Recht darauf lesen, schreiben und rechnen zu lernen, auch wenn er dafür vielleicht länger braucht? Wieso gibt es zwar viele unterschiedliche Angebote dazu im Sonder- und Förderschulbereich, aber extrem wenig Unterstützung, wenn es darum geht, Schwierigkeiten direkt im Klassenverband zu regeln? Wie sollen junge Menschen denn sonst lernen, dass jeder seine eigenen Schwächen, aber eben auch seine eigenen Stärken hat und gegenseitige Hilfe alle weiterbringt? Wie soll ein gemeinschaftliches Miteinander wachsen, wenn schon in den ersten Klassen rigoros aussortiert und gesiebt wird?

(Zitat) Sozialpädagogin Sturm möchte für "zehn Härtefälle" eine erlebnispädagogische Reise in die Schweiz organisieren. Eine wichtige Motivationshilfe und Möglichkeit, an schwer zugängliche junge Leute heranzukommen. 500 Euro sind bislang im Reisesparstrumpf. Doch die einwöchige Tour in eine Berghütte mit Selbstverpflegung und Klettertouren würde mit 3500 Euro zu Buche schlagen.

Ist das ein Weg, um Bildung und Anerkennung (s.o.) zu fördern? Ist das für andere Jugendliche nicht möglicherweise ein Signal, noch destruktiver und ablehnender zu werden, weil man damit ja offensichtlich "Erfolg" hat? Geht es nicht viel mehr darum, die jungen Leute aus der Reserve zu locken, sie zu ermutigen, zu zeigen was sie können und Eigeninitiative zu entwickeln? Ist da ein kleines Projekt vor Ort, von den Jugendlichen selbst geplant und durchgeführt nicht viel wirkungsvoller als so ein punktuelles "Pauschalangebot", wo am Ende ja wieder nur die große Leere und Perspektivlosigkeit steht? Werden die Jugendlichen in ihrer Individualität überhaupt ernstgenommen, wenn man ihnen so ein 08/15-Standardprogamm bietet, wo sie tatsächlich nur mit einem "Nein" sich selbst abgrenzen und so wenigstens ein Stück ihrer ohnehin schwachen Identität erhalten können?

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