Freitag, 25. Dezember 2009

Partnerschaft, ein Wort, so schwer zu definieren und doch für viele eine Selbstverständlichkeit. Partnerschaft, klar führt man mit dem Partner eine Partnerschaft, was denn sonst, und natürlich hat man klare Vorstellungen davon, was eine Partnerschaft ausmachen soll, was man von ihr erwartet, an welchen Stellen man kompromissbereit ist und an welchen Übereinstimmung herrschen muss. Weiss das aber auch der Partner?

Kann eine Partnerschaft funktionieren, in der einer tonangebend ist und der andere nickt? Wenn beide tonangebend sind? Wenn beide nicken? Welches Muster wird immer wieder neu inszeniert und durchgespielt, obwohl man doch genau weiß, dass es so nicht funktionieren kann? Und macht man sich nicht vielleicht etwas vor, wenn man tatsächlich auf die sprichwörtliche "Große Liebe" wartet, mit der man dann den Rest des Lebens in rosarotes Licht taucht?

Meine Oma mütterlicherseits hat diese Liebe kennengelernt, dieser Mann muss ein echtes Goldstück gewesen sein, leider ist er als Soldat im Krieg gestorben, da war meine Mutter 3. Diese Liebe blieb ewig jung und strahlend, sie musste sich nicht in der "langweiligen" Nachkriegsrealität bewähren und behielt den Glorienschein des Heroischen. Klar, dass der zweite Mann von vorneherein eigentlich keine Chance hatte und sich Frau und Kind stets zu diesem Frühverstorbenen zurücksehnten.

Partnerschaft als Prozess, in dem beide die Chance haben sich gemeinsam weiterzuentwickeln, sich aufeinander zuzubewegen und miteinander zu wachsen. Eine Aufgabe, die es zu lösen gilt, eine Aufgabe zu zweit, die aber nur gelöst werden kann, wenn beide aus ihrer inneren Mitte heraus handeln und sicheren Boden unter den Füßen haben. Bei der immer das Risiko besteht, sich selbst zu verlieren oder den anderen.

Meine Oma väterlicherseits hat diese Liebe sicher auch kennengelernt, zumindest am Anfang, ich habe davon allerdings nicht mehr viel entdecken können. Da man sich in dieser Generation noch nicht scheiden ließ und die Familie streng katholisch war, blieben Oma und Opa zwar zusammen, machten aber sich, ihren Kindern und Kindeskindern das Leben schon ziemlich zur Hölle. Vermutlich brauchte der Ärger und Frust über die missglückte Beziehung ein Ventil.

Was bedeutet es also Ja zu einem Menschen zu sagen? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Kann eine Liebe auch aus einer guten Freundschaft wachsen oder ist dieser Wechsel der Ebenen zwangsläufig zum Scheitern verurteilt? Sollte man Herz oder Kopf bei dieser Entscheidung befragen? Und was, wenn Zweifel auftauchen? Wenn der Partner mir von einer auf die andere Sekunde völlig fremd wird? Das Ende? Oder eine neue Herausforderung?

Sicher bin ich geprägt vom Vorbild meiner Eltern, die trotz ihrer Unterschiedlichkeit in Charakter, Temperament und Erfahrungen zusammengeblieben sind und bei ernsten Schwierigkeiten von außen oder innen nicht gleich das Handtuch geschmissen haben. Daher gehört für mich zu einer Partnerschaft Respekt und Achtung vor dem anderen und die grundsätzliche Übereinstimmung, dass man zusammengehört und Schwierigkeiten dementsprechend gemeinsam überwunden werden können. Nur so ist Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe denkbar und realistisch und nur so kann das triste und langweilige Alltagsgrau auch nach vielen gemeinsamen Jahren noch einen geheimen rosigen Glanz für beide haben.

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