Mittwoch, 10. März 2010

2009 Jahr der Tiere

In diesem Jahr geht es darum, eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb aufzubauen, was natürlich wieder mit zahlreichem Formalkram und bürokratischen Hürden verbunden ist und mich über zahlreiche Institutionen wie Landwirtschaftskammer, Berufsverband, Landvolk, Tierseuchenkasse, etc. führt. Ich entscheide mich für möglichst robuste, alte Rassen. Bei meinen Recherchen im Vorfeld stoße ich auf Vieh e.V., eine Initiative, die sich den Schutz alter Rassen auf die Fahnen geschrieben hat, das möchte ich auch versuchen, also wird der Hof zu einer "Nutztierarche". Ich beginne mit rund 3 ha Weideland, die restlichen 4 ha bleiben vorerst weiter verpachtet.

Tiere
Im März kommen die Kühe Tessa und Daphne, beide tragend, zwei Angler Rinder alter Zuchtrichtung, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Bei meiner Suche nach geeigneten Therapiepferden kommen Lisa, eine ruhige Tinkerstute und Fanny, ein Haflingerjährling in die nähere Auswahl. Ich entscheide mich schließlich für Melli, eine ältere Haflinger- und Wierna, eine ruhige Kaltblutmixstute, die im April dazukommen. Leider springt der Kooperationspartner für das Therapieprojekt unerwartet ab. Ab Mai sind die Tiere auf den Weiden, Sommersaison. Im Juli und August werden dort die beiden Kälbchen Oskar und Malwine geboren, sie dürfen bei ihren Müttern bleiben und im Herdenverband die Welt erkunden. Im September machen sich die beiden Poitou-Esel Riziere und Viorne auf den langen Weg von Frankreich über den Taunus bis hier herauf in den hohen Norden, ebenfalls eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Ab November sind die Tiere am Hof, Wintersaison.

Weiden
Am Hof wird der Übergang von Stall zur Hofweide neu gestaltet und eingezäunt. Bei den Weiden auf der anderen Seite müssen teilweise alte Pfähle gegen neue ausgetauscht werden. Da Pferde den dünnen Draht nicht sehen können, wird er abgewickelt und stattdessen mit breitem weißen Weideband eingezäunt. Später kommt etwas tiefer noch ein zweites Weideband dazu, da die Kälbchen sonst locker durchschlüpfen können. Das Umhüten klappt zunehmend besser, auch durch zusätzliche Bänder im Eingangs- und Wegbereich. Im Sommer wächst das Gras sehr rasch, so dass vor dem Umhüten auf die nächste Weide erst wieder das Band freigesenst werden muss. Täglich wird Wasser in der Schubkarre auf die gerade aktuelle Weide gekarrt, da meine Tiere für eine Selbsttränke leider zu dumm sind, dazu etwas Heu, falls der Magen durch das viele junge Gras etwas drückt. Durch Regen und den ohnehin weichen Moorboden sind die Eingangsbereiche im Spätsommer ziemlich zertrampelt, ich karre daher Holz und altes Heu hin, um die Stellen zu stabilisieren und für die nächste Saison zu schützen. Von der größten Weide wird erst noch Heu für den Winter gemacht.

Garten
Ich lege ein Hügelbeet, ein Kräuterrad und weitere Beete an. Dank der Holzreste in der Scheune und dem Mist der Tiere habe ich eine gute Grundlage. Für die Aussaat in Töpfen baue ich einen provisorischen Glasschutz aus alten Fensterscheiben direkt an der Hauswand in der Sonne. Sobald die kleinen Pflanzen groß genug sind, werden sie in die Beete umgesetzt. Diverse Gemüse wie Zucchini, Tomaten, Mais, Salat, etc. wachsen prima und können im Sommer geerntet werden, tagelang gibt es richtig dicke Zucchini. Die Kürbisse fallen noch ganz klein den Schnecken zum Opfer und die Gurkenpflanzen entpuppen sich als Unkraut. Es sind meine ersten Erfahrungen im Garten, ich entdecke daher täglich neues und lerne so für die nächste Saison.

Entrümplung
Um die Ställe für die Tiere freizubekommen und auch in der Wohnung etwas "Luft" zu haben, versuche ich die geerbten Möbel und diversen Kleinkram zu verkaufen/verschenken, organisiere einen Flohmarkt und bestelle schließlich doch eine Firma, die den ganzen Krempel mitnimmt und fachgerecht entsorgt. Zur Wintersaison muss der Schuppen entrümpelt und tiergerecht gestaltet werden, da er als zusätzlicher Unterstand dienen soll. Anders als zu Beginn des Jahres, wo nur 4 Tiere da waren, ist der Stallbereich für jetzt 8 Tiere unter Umständen zu klein, wenn nötig sollen sie sich aus dem Weg gehen können. Bereits im Sommer karre ich altes Heu aus der Scheune und vom Dachboden auf die Weiden, zur Wintersaison wird das Runterschaufeln dann tägliche Routine.

Reparaturen
Die neue Holzwand an der Scheune muss vor erneuter Feuchtigkeit geschützt werden, daher wird eine Dachrinne installiert, der Abfluss zum Wassergraben hergestellt und mit 2 großen Regentonnen verbunden. Auch die alte Wand auf der anderen Seite wird so geschützt. Ich streiche die beiden hinteren Räume und räume um. Im Stall wird die Wasserleitung wieder reaktiviert, nachdem klar ist, dass der Brunnen kein Wasser mehr hat. Um ein Weidegerät fest installieren zu können, brauche ich eine Steckdose für Normalstrom im Dielenbereich. Zum Winter hin werden im Hauptstall zusätzliche Türen eingebaut und die Glasfenster gegen hornsichere Plastikscheiben ausgetauscht. Der Schuppen wird mit Balken, Brettern und Folie gegen Durchzug zu einem zusätzlichen kleinen Stall ausgebaut und der Weidebandverlauf entsprechend angepasst.

Programm
Im Januar findet 4x freitags ein sog. Zukunftstreff statt, wo sich ähnlich wie schon beim Adventscafe Menschen treffen und über ihre Pläne fürs neue Jahr austauschen können, dazu gibt es Getränke und Knabbereien. Ab Februar biete ich einen Online-Erfolgsteamkurs an, bei dem es darum geht, seine Träume zu entdecken und sich gegenseitig bei der Verwirklichung zu unterstützen. Auf Anfrage übernehme ich Einrichtung, Organisation und Gestaltung von Internetprojekten, als erstes für das kreative Seminarhaus hier in Oberndorf. In Cadenberge habe ich eine Ausstellung mit meinen Metallfiguren, anschließend sind sie auf dem Oberndorfer Weihnachtsmarkt zu sehen.

Kooperationen
Zusammen mit der Jugendhilfe Neuhaus möchte ich tiergestützte Therapie anbieten, dementsprechend recherchiere ich nach geeigneten Pferden. Nach anfänglichem Interesse scheint dann jedoch kein Bedarf mehr zu bestehen. Über die Homepage wendet sich eine Frau an mich, die Lebensbegleitung anbietet und sich beruflich verändern möchte. Nach einem Besuch hier auf dem Hof, eingehenden Gesprächen und Mails, findet sie in ihrem Umfeld offensichtlich eine für sie bessere Möglichkeit. Übers Internet lerne ich Ina Müller-Schmoß kennen, ich kann in ihrem Blog einen Bericht zu meinem Hofprojekt veröffentlichen, und sie hilft mir mit Tricks und Infos zum Bloggen, Twittern u.ä. auf die Sprünge. Später unterstütze ich sie bei der Vorstellung von engagierten Internetprojekten. Es entwickelt sich eine anregende und gegenseitig bereichernde Zusammenarbeit, die sich sicher noch weiter ausbauen lässt. Sylvia Stark vom Seminarhaus Oberndorf lerne ich in ihrem Aufräumkurs kennen, ich nehme auch an ihrem Ermutigungskurs teil, in dem ich neue Zuversicht und Kraft tanken kann. Später gestalte ich für sie eine Homepage, und es entsteht ebenfalls eine wechselseitig inspirierende Zusammenarbeit und Unterstützung.

Jobsuche und Kurse
Um zumindest teilweise auch finanziell wieder auf die Beine zu kommen, bewerbe ich mich zum Wochenblatt austragen und bei der Jugendhilfe Neuhaus um die Betreuung von einem jungen Mädchen, klappt leider nicht. Ich frage bei der vhs an, ob ich Erfolgsteamkurse anbieten kann und bin im neuen Jahr mit einem Angebot dabei. Ich male Acrylbilder, schreibe Texte für diverse Blogs, die teilweise sogar ein kleines Honorar einbringen und biete auf dem Oberndorfer Weihnachtsmarkt meine Metallfiguren zum Verkauf an. Shantychor und Schwedisch gehen weiter, ich bin jetzt im Fortgeschrittenenkurs, doch da wir vom Anfängerkurs noch etwas nachhinken, bildet sich eine kleine Lerngruppe, um die Lücken zu schließen. Bei Sylvia im Seminarhaus mache ich einen Aufräum- und den Ermutigungskurs Basis, ich filze und informiere mich über meine Prioritäten.

Schwierigkeiten
Ich stelle mich selbst als Projektleiterin auf Minijobbasis ein und trete damit eine wahre Lawine an Formalkram und Hindernissen los: Meine Krankenkasse glaubt sich daraufhin berechtigt, mich als selbständigen Unternehmer mit über Euro 300.- Monatsbeitrag zu versichern, weil sie von einem monatlichen Mindesteinkommen von fast Euro 2000.- ausgeht. Daraufhin entschließe ich mich, die gemeinnützige GmbH aufzulösen, da sie mir ohnehin nur eine Menge an Arbeit beschert, andere aber weder von meiner Anständigkeit überzeugt noch zum Spenden animiert. Nachdem ich einen Einblick in den normalen Alltag eines Milchkuhbetriebes bekommen habe, ist mir klar, dass ich nicht auf Kosten der Kälbchen zur Milch kommen will. Mutter und Kind sollen nicht getrennt werden, also entscheide ich mich für Mutterkuhhaltung und gebe folglich die Idee einer Käserei auf. Da die Jugendhilfe Neuhaus als Kooperationspartner abspringt, kann auch das Therapiepferdeprojekt nicht weitergeführt werden, für die Pferde vermutlich ganz angenehm. Für den Offenen Treff gibt es offensichtlich keinen Bedarf, vielleicht bin ich auch zu ungeduldig, jedenfalls finden in den zwei Monaten definitiv zuwenig Menschen den Weg hierher, meist sitze ich allein rum. Meine Idee von einem Radlers Inn mit Sitzbank und Tisch in der Scheune kann nicht ausgebaut werden, weil ich den Platz für die großen Heuballen brauche, und ein Heuhotel auf dem Zwischenboden der Diele muss vorerst verschoben werden, weil zuerst der Dachboden trittsicher gemacht werden muss.

Pläne 2010
Der Dachboden ist ein riesiger ungenutzter Raum, doch dadurch dass die Bretter teilweise arg morsch sind, kann man ihn nicht sicher betreten. Geplant ist daher, das restliche alte Heu weiterhin runterzuschaufeln und ihn anschließend in 3 Phasen zu renovieren, ein Kostenvoranschlag liegt bereits vor. Im Wohnhaus sind immer noch 2 Zimmer ohne Heizung, die Nachtspeicheröfen in den anderen 3 sind auch nicht zukunftsfähig, daher wird voraussichtlich ein neues Heizsystem mit Solaranlage installiert, fachmännische Beratung habe ich bereits angefragt. Bisher sind 3 Zimmer neu gestrichen, auch die restlichen 2, Küche, Bad und Flur werden noch renoviert. Streichputz und Farben sind bereits gekauft, Ideen zur Farbgestaltung und Ausbesserung kleiner Macken sind in Arbeit. Für Oskar suche ich ein schönes Zuhause, da ich ihn sonst kastrieren lassen muss. Der Kontakt zu einem möglichen neuen Besitzer ist bereits geknüpft. Riziere ist tragend und wird voraussichtlich Ende März, Anfang April ihr Fohlen bekommen. Ab 2010 habe ich für die Sommersaison auch die übrigen Weiden, insgesamt jetzt gut 7 ha und bin damit offiziell Landwirtin.

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