Donnerstag, 17. Juni 2010

Der Wilde Westen in Oberndorf

Heute ist mir vielleicht ein Ding passiert, ich kanns immer noch nicht richtig fassen oder begreifen:
Ich komme mit den Hunden und der leeren Schubkarre von der Weide. Auf der Straße vor der Auffahrt zum Hof steht ein Kleinbus mit Anhänger, da ich ihn nicht kenne, sammle ich die Hunde hinter mir und quetsche mich mit der Karre erstmal dran vorbei. Auf halbem Weg stehen 2 Menschen und sind damit beschäftigt, meinen Schafdrahtzaun rauszuziehen und zusammenzuwickeln, mir fällt die Kinnlade runter und mit einem empörten "können Sie mir mal sagen, was Sie da machen", gehe ich auf sie zu. Dann erkenne ich, dass es die Hufschmiedin und ihr Helfer sind, die vor 2 Wochen den Pferden und der Eselin die Hufe geschnitten haben. Es stellt sich heraus, dass sie den Zaun wie Gerichtsvollzieher als Pfand mitnehmen wollen.

Vorgeschichte:
Da ich nicht gerne viel Bargeld im Haus habe, bezahle ich größere Sachen normalerweise auf Rechnung. Das ist hier völlig problemlos, Tierarzt, Besamer, Hofreparaturen, Schornsteinfeger, Kontrolle Kläranlage, etc. Mit den Nachbarn bespricht man, wer für was wieviel bekommt und zahlt dann möglichst zügig, logisch, bei Bäcker und Biobus kann man auch mal eine Woche später zahlen, wenns nicht reicht oder man vergessen hat Geld abzuheben. Die Hufschmiedin wollte jedoch Bargeld, 85 Euro. Da ich damit nicht gerechnet hatte, auch nicht wusste, was es genau kosten würde, hatte ich das nicht parat, machte aber eine Anzahlung von 50 Euro und bot an, den Rest zu überweisen. Da die jüngere Eselin noch keine Hufe geben konnte, sollte ich mit ihr üben und mich dann melden, damit ihr auch noch die Hufe geschnitten werden könne. Wir verblieben also so, dass ich das Geld vorbeibringen würde, wenn ich in Cadenberge wäre bzw. dass ich mich wegen des nächsten Termins melde. Für mich war damit klar, dass die fehlenden 35 Euro spätestens beim nächsten Termin mitgezahlt werden könnten. Die Hufschmiedin hatte mir als Richtwert gesagt, in ca. 2 Wochen müsste sie das eigentlich können, wenn ich jetzt regelmäßig mit ihr üben würde. Das tat ich, merkte jedoch, dass zwar das kleine Fohlen tatsächlich jetzt nach 2 Wochen prima Hufe gibt, die Eselin aber noch große Balanceschwierigkeiten hat, gerade mit den Vorderbeinen. Ich wollte mich daher ohnehin die nächsten Tage melden, einen Zeitaufschub von 1-2 Wochen vorschlagen und nochmal anbieten, das Geld vielleicht doch zu überweisen, da ich nicht nach Cadenberge gekommen war und auch nicht sicher war, dass es die nächsten Wochen klappen würde.

Aktuell:
Ich werde jetzt beschuldigt, mich nicht mehr gemeldet zu haben und stehe als "Zechpreller" da. Sie hätte mehrfach versucht, mich telefonisch zu erreichen - ich habe einen AB, keine Nachricht. Sie sei mehrfach hier gewesen, hätte mich aber nicht angetroffen - ich habe einen Briefkasten und sehr aufmerksame Nachbarn, kein Zettel, keine Nachricht hinterlassen. Wenn ich nur ein paar Minuten später gekommen wäre, wären sie mit dem Zaun weggewesen, vermutlich wieder ohne ein Wort zu hinterlassen. Gut also, dass der Zaun ziemlich eingewachsen war, so dauerte die Aktion etwas länger.

Fazit:
Außenstände und Schulden sind sicher nicht besonders angenehm, aber kann man ohne Vorwarnung einfach so hingehen und irgendwas mitnehmen, sind das nicht ganz eindeutig Wildwestmethoden? Und das nach 2 Wochen, wo klar war, dass sie ohnehin nochmal kommen würde, dass ich hier nicht einfach "verschwinden" kann, und das alles wegen lächerlicher 35 Euro? Ich zahlte - wütend, und morgen muss ich mich um den rausgerissenen Zaun kümmern...

Hufe werden regelmässig geschnitten, ich wäre also für viele Jahre ein regelmässiger Kunde und eine sichere Einnahmequelle gewesen - so nicht!

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