Mittwoch, 1. Oktober 2008

Kleider machen Rechtsradikale?

In Hamburg gab es einen großen Aufstand um einen Thor-Steinar-Laden, ein Unternehmen, das Outdoor-Kleidung verkauft und leider das Pech hat, dass diese Marke offensichtlich besonders gut bei Rechtsradikalen ankommt.

Nachdem ich mir den Internet-Shop angesehen habe, kann ich nichts Auffälliges an der Kleidung entdecken, ohne die Hintergrundinfo hätte ich sicher auch was für mich gefunden, also weder besonders düster und bedrohlich, noch irgendwelche auffälligen Embleme, ein Wikingerschiff, ein Elch oder eine Lilie kann man ja wohl nicht zwangsläufig zur rechten Szene rechnen, und auch keine Anlehnung an Militärklamotten.

Ich habe mich jetzt gefragt, ist das denn in Ordnung, das Geschäft für seine Kunden büßen zu lassen? Was wäre, wenn Rechtsradikale plötzlich in "Heerscharen" bei BASIC oder HESS-NATUR einkaufen würden, Transfair-Kaffee der neueste Hit bei Szenetreffen? Wären dann auch diese Läden verpönt? Müssten nicht ganz im Gegenteil möglichst viele diese Kleidung kaufen, um den Identifikationsaspekt dadurch aufzuheben? Oder würde dann der Schluss gezogen, ganz Deutschland sei rechtsradikal? Wer weiß denn sowas überhaupt? Und wer achtet darauf? Und welche Konsequenzen hat denn dann das Tragen bestimmter Kleidung? Unwissentlich kann ich also zum Rechtsradikalen werden?

Wichtiger als die Kleidung von bestimmten Gruppen abzulehnen ist es doch, sich kritisch mit Gedanken und Taten der jeweiligen Personen auseinanderzusetzen, ich verteufel ja auch keine Maßanzüge, nur weil vielleicht viele konservative Politiker drinstecken. Dialog, Auseinandersetzung und damit auch der Weg zum anderen ist nur möglich, wenn ich mich nicht im Vorfeld schon durch Äußerlichkeiten blenden lasse und über meine eigenen Vorurteile stolpere.

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