Dienstag, 12. Oktober 2010

Streuobstwiese retten, wer macht mit?

Da ich das Projekt Streuobstwiese immer noch nicht so einfach ad acta legen kann, der Bericht aber zunehmend unübersichtlich wird, habe ich mich entschieden, neben dem Ursprungsartikel einen neuen Post zum weiteren Verlauf für aktuelle Infos einzurichten. Ich hoffe natürlich weiterhin, dass wir vielleicht gemeinsam eine Lösung finden.

Nachtrag 7.1.11

Geschafft, alte Apfelbäume sind geschützt und können nicht mehr einfach abgeholzt werden.
Beitrag dazu
, danke Claudia

Nachtrag 16.12.10

ein paar Antworten:
von der Samtgemeinde am Dobrock, der Gemeinde Oberndorf
Von meinem Abi-Jahrgang 1992
von der Schülervertretung meiner ehemaligen Schule


Sehr geehrte Frau Wocker,

zu Ihrer Anfrage bezüglich der Streuobstwiese möchte ich Ihnen im Auftrag von Frau Gallinat mitteilen, dass die Samtgemeinde Am Dobrock den Erhalt der von Ihnen angesprochenen Strueobstwiese finanziell nicht unterstützen kann. Auch seitens der Gemeinde Obenrdorf wird zurzeit keine finazielle Unterstützung möglich sein.

Ich habe aber das Niedersächsische Landesamt für Straßenbau (ehemals Straßenbauamt) in Stade auf diese Streuobstwiese hingewiesen und auch mitgeteilt, dass Sie sich für den Erhalt der Bäume einsetzen. Das Land Niedersachsen benötigt für die geplante Ortsumgehung der B 73 in Cadenberge Ersatz- und Ausgleichsflächen. Vielleicht ist diese Fläche ja interessant. Sie können sich auch gerne selber an das Straßenbauamt wenden.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Jörg Jungclaus


Liebe Inga,
Deine Mail erreicht mich mitterweile in Norwegen. Ich freue mich, dass Du Dich für die Umwelt engagierst, ich habe aber leider momentan durch einen anspruchsvollen Vollzeitjob, meine Tochter und ein MBA Fernstudium keine Kapazitäten, Dich bei dem Projekt zu unterstützen. Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Unternehmen!
A.


Hallo Inga,

vielen dank für Deine mail.

Allerdings muss ich Dir sagen, dass ich der absolut falsche Ansprechpartner hierfür bin. Die Idee Verwandte und Bekannte anzusprechen, damit sie eine Streuobstwiese unterstützen, unter dem Deckmantel eines Edith-Stein-Schul-Abitur-Nachtreffens, halt ich für sehr fragwürdig, um nicht zu sagen dreist. Ich denke nicht, dass es der richtige Anlaß ist, die ehemaligen Klassenkameraden nach Geld zu fragen.

Für mich ist ein Abiturs-Nachtreffen, von dem ich jetzt auch noch gar nicht sagen kann, ob mir eine Teilname möglich sein wird, ein Treffen, bei dem man sich mit mal ein bißchen über die vergangene und auch aktuelle Zeit unterhalten kann, aber sicher keine geeignete Angelegenheit, um den Leuten das Geld für eine paar Apfelbäume aus der Tasche ziehen zu wollen.

Außerdem sehe ich absolut keine Verbindung zu einer Obstwiese im Norden von Deutschland und der Edith-Stein-Schule in Darmstadt. Hier sind sicher örtliche Spender gefragt.

Tut mir leid, aber das ist für mich völlig abwegig, mich da auch nur in irgendeiner Art und Weise zu engagieren.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich der Meinung bin, dass mit einer solchen Summer weitaus sinnvollere Dinge unterstützt werden könnten, als eine Wiese mit Bäumen und Insekten.

Gruß
K.


Hallo Inga,

verzeih, dass meine Antwort so lange auf sich warten ließ - ich habe erst bei nochmaligem Lesen festgestellt, dass du keine Sammelmail verschickt hast.

Hut ab vor deinem Engagement für den Erhalt der Vielfalt der Lebewesen!!!

Befände sich die Wiese in einer gewissen Nachbarschaft zu unserer Schule, hättest du bestimmt gute Chancen, einige unseres Jahrgangs zu aktivieren. Für mich fehlt der persönliche Bezug - es sind keine Bäume, die ich je gesehen habe, unter denen ich gespielt habe, die eine Bedeutung für meine Person haben.

Verstehe mich nicht falsch: der Erhalt genau dieser 8 Bäume ist zweifelsfrei erstrebenswert. Und dazu geht es nicht nur um eben dieses Land sondern um ein Lebensprinzip.

Aber welche Argumente bringen 100 Frauen dazu, initiativ zu werden und Geld zu sammeln, Zeit zu investieren - die vielen wahrscheinlich ohnehin fehlt bzw. für die sie andere Verwendung haben - wenn das Ergebnis nicht einmal annähernd in ihrer Nähe und somit greifbar ist?

Wahrscheinlich könnte es gelingen, die Meute aus der Reserve zu locken; viele haben gewiss noch einen Funken Idealismus, der nur genährt werden möchte. Aber es sollte im Weitesten mit unserer Schule, Darmstadt o.ä. zu tun haben.

Das ist meine nüchterne Meinung, die abe eben nur meine ist.

Dir eine schöne Vorweihnachtszeit und bis bald,
A.


Liebe Frau Wocker,

Vielen Dank für Ihre Email.

Generell finden wir Ihr Projekt gut und würden solche Projekte auch gerne unterstützen.Jedoch glauebn wir, dass der Schülerschaft der Edith-Stein-Schule zu diesem speziellen Projekt der Bezug fehlt. Die Streuobstwiese ist in Niedersachsen, und somit einfach nicht im direktem Umfeld der Schüler. Wir denken, dass es deswegen einfach nicht klar genug bzw. nicht greifbar genug ist, für was man das Geld spendet. Außerdem handelt es sich um eine Summe, die man nicht einfach mal so innerhalb der Schule einsammeln kann - vorallem, wenn die Schüler eben nicht einmal direkten Bezug zu der Streuobstwiese haben. Dies wissen wir von bereits gesammelten Erfahrungen- 33.000 Euro sind unrealistisch.

Hinzu kommt auch noch, dass es in umserem direkem Umfeld ebenfalls immens viele solcher Projekte gibt (Streuobstwiesen in Darmstadt-Eberstadt etc). Wir glauben, dass es eher im Interesse der Schülerschaft ist nahegelegene Projekte zu unterstützen.

Deshalb denken wir, dass es sinnvoller und vor allem effektiver für Sie ist, sich in Ihrem Umfeld nach Sponsoren und nach Unterstützung umzugucken.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Projekt und hoffen, dass es Ihnen gelingt, die Streuobstwiese zu retten.

Wir bitten Sie um Verständnis dafür, dass wir Sie nicht in diesem Projekt unterstützen können.

Mit freundlichen Grüßen,
Die SV.


Nachtrag 12.12.10

Da Warten furchtbar anstrengend ist, vertreibe ich mir die Zeit, um von den weiteren Aktivitäten zu berichten:

2. Brief an die Besitzerin
Mail- und Briefaktion an meinen Abijahrgang
Mail an die Schulleitung und die Schülervertretung meiner ehemaligen Schule

Hallo M.,

ich weiß nicht, ob ich die nächsten 1-2 Wochen nach C. komme, daher schreibe ich dir lieber. Da es ja jetzt kälter wird, befürchte ich ständig, ich komme irgendwann heim und weitere Bäume sind abgesägt, das wäre schade. Ich bin nämlich gerade dabei, Geld aufzutreiben, brauche aber noch Zeit.

Daher mein Vorschlag: Kann ich dir den Brennholzwert der Bäume ersetzen und du lässt sie dafür erst einmal stehen? Ich hoffe, ich kann dir dann im Frühjahr ein Kaufangebot für die 6 ha machen. Den Brennholzwert könnten wir dann ja entsprechend verrechnen. Hast du schonmal überlegt, zu welchem Preis du verkaufen würdest?

Ich habe inzwischen auch Kontakt zum BUND und NaBu aufgenommen, um meine doch recht lückenhaften Kenntnisse zu Streuobstwiesen und Bäumen zu erweitern, und dabei eine nette Frau kennengelernt, die dir sicher sehr viel besser als ich erklären kann, welche Bedeutung dieser Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt hat. Kann ich ihr vielleicht einfach mal deine Telefonnr. geben? Das würde mich sehr freuen, denn ich will dich ja nicht überrumpeln oder gar über den Tisch ziehen. Ich will auch nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet.

Ich kann nicht einfach dasitzen, die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie irgendwann auch die restlichen Bäume abgesägt sind. Vielleicht schlägt da die Naivität der Großstädterin durch... Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn sich doch noch eine für alle befriedigende Lösung ergeben würde.

Viele Grüße
Inga


Hallo liebe xy,

2012 haben wir 20jähriges Abitur. Wäre es da nicht toll, etwas ganz Besonderes auf die Beine zu stellen? Ich hätte auch schon eine Idee:

Unsere Schule war und ist dafür bekannt, ihren Schülerinnen und Schülern immer wieder ihre Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen bewusst zu machen, ich denke z.B. an die Besinnungstage, Jugend-forscht- und Europa-Wettbewerbe, Umwelt- und Dritte-Welt-AG, Exkursion zur GePa, Sammlungen fürs Blindenhilfswerk, Verkauf von Recyclingheften, etc.

Bei den meisten von uns hat das sicher Spuren hinterlassen. Ich z.B. bin inzwischen in Norddeutschland auf einem Hof gelandet und baue eine Nutztierarche für vom Aussterben bedrohte Haustierrassen auf. Bei Pflanzen gibt es ebenfalls alte Sorten, die durch Vereinheitlichung, Discounter und Gentechnik zu verschwinden drohen. Deutlich wird das z.B. daran, dass Streuobstwiesen selten geworden sind und damit alte robuste Regionalsorten kaum noch zu finden sind. Gleichzeitig verschwindet damit ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Kleintiere, Insekten, Reptilien, Vögel, Kräuter, Wildpflanzen u.ä.

Mein konkreter Fall ist nun folgender: Auf der Nachbarweide stehen jetzt noch 8 solcher alter Apfelbäume, doch will die Besitzerin sie abholzen und verheizen, letzten Winter sind schon 5 abgeholzt worden, ich kam leider zu spät. Nun möchte ich wenigstens die restlichen Bäume erhalten, weitere Bäume anpflanzen und damit die Fläche auf lange Sicht zu einer Streuobstwiese ausbauen. Vielleicht gelingt es sogar, dem hier im Norden leider selten gewordenen Steinkauz wieder eine Brutmöglichkeit anzubieten.

Könnten wir nicht gemeinsam versuchen, das Geld zum Kauf für die 6 ha Weideland aufzutreiben und dann 2012 - zu unserem 20jährigen Abitur - ein großes (Ernte)Fest feiern und/oder weitere Bäume pflanzen? In Kooperation mit der Edith-Stein-Schule könnte man vielleicht Besinnungstage zum Thema Streuobstwiesen, Biotop- und Artenschutz organisieren oder Abi-Jahrgängen anbieten, einen oder mehrere Obstbäumme zu pflanzen.

Infos (und Bilder) zu den Bäumen und zum bisherigen Verlauf des Projektes findest Du auch im Internet:

Ein Gastbeitrag im Garten-Blog von Claudia Klinger
http://www.das-wilde-gartenblog.de/2010/11/02/gastbeitrag-projekt-streuobstwiese-eine-tragoedie/

Und zwei Beiträge in meinem Hof-Blog
http://patchworkhof.blogspot.com/2010/06/projekt-streuobstwiese-stand-11.html (Ursprungsartikel)
http://patchworkhof.blogspot.com/2010/10/da-ich-das-projekt-streuobstwiese-immer.html (aktueller Verlauf)

Konkret geht es um max. 33.000.-, im Jahrgang sind wir rund 100, wenn also jede im Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis rund 300.- zusammen sammelt sind wir aus dem Schneider. Wenn mehr zusammenkommt kann ich noch ein Moorwiesenprojekt anbieten ;-)))

Parallel dazu versuche ich natürlich auch noch andere Geldgeber zu finden, derzeit bin ich im Gespräch mit NaBu, BUND, unserem Gemeinderat und warte noch auf Antwort von diversen Stiftungen und Einrichtungen wie Samtgemeinde und Landkreis.

Ich schlage vor, wir nennen sie Edith-Stein-Streuobstwiese, und neben den Infotafeln zu den Bäumen und speziellen Sorten wird es sicher auch eine Förderertafel geben ;-)))

Hast Du weitere Ideen und Vorschläge zu diesem Projekt? Ich bin für jeden Hinweis und Tip dankbar. Mich hat meine Schulzeit zumindest so geprägt, dass ich nicht einfach zuschauen und abwarten werde, dass auch die restlichen Bäume einfach verschwinden, und ich hoffe ich kann dabei auf Dich zählen?

Langfristig gesehen wäre es sicher toll, wenn das nicht die einzige Aktion bliebe, sondern wenn wir vielleicht gemeinsam einen Förderverein dafür gründen könnten. Denn sicher hast Du oder einige andere aus unserem Jahrgang mindestens ebenso wichtige und tolle Projekte und Ideen, die nicht einfach im Sand verlaufen dürfen. Gemeinsam kann man doch sehr viel mehr bewegen, und ich bin garantiert die erste, die dich und die anderen bei weiteren Aktionen unterstützt. Ich freu mich auf Nachricht von Dir.

Viele Grüße und bis bald
Inga

(die Briefe an Schulleitung und Schülervertretung sind ähnlich)


Nachtrag 3.12.

Da vermutlich keine Antwort mehr zu erwarten ist, hier der Mailwechsel mit dem Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen e.V.:

3.11.

Sehr geehrter Herr Weischedel,

ich habe gerade in der Schrot und Korn einen Bericht über Ihre sehr erfolgreiche Streuobstwiesenerhaltung gelesen, und da ich gerade in einem ähnlichen Projekt stecke, wende ich mich hoffnungsvoll an Sie. Ich bin in Darmstadt geboren und aufgewachsen und lebe inzwischen in Norddeutschland, aber was in meiner Heimatregion möglich ist, müsste doch auch hier zu schaffen sein, oder?

Auf der Nachbarweide meines Hofes in Oberndorf (Hasenfleet), stehen noch 8 alte Apfelbäume, die voraussichtlich diesen Winter zu Feuerholz verarbeitet werden. Ich habe schon einiges versucht, um die Besitzerin umzustimmen und wollte ihr nun als letzte Möglichkeit ein Kaufangebot machen. Ein Gastbeitrag ist dazu auch schon im Internet erschienen:

http://www.das-wilde-gartenblog.de/2010/11/02/gastbeitrag-projekt-streuobstwiese-eine-tragoedie/

Kann Ihr Unternehmen/Verein mich dabei finanziell oder ideell unterstützen? Das wäre echt toll. Ich versuche es auch noch bei den Kollegen von BUND und NaBu, Voelkel und bio verlag.

Vielleicht ist doch noch was zu retten.
Viele Grüße
Inga Wocker

4.11.

Guten Tag, Frau Wocker,

vielen Dank für Ihre mail.
Leider können wir Sie finanziell nicht unterstützen, da wir ein gemeinnütziger Verein sind und jeder Cent, den wir einnehmen direkt wieder in die Landschaftspflege vor Ort investiert wird.
Sicherlich ist es am Besten, sich für ideelle Unterstützung direkt an einen Umweltverband vor Ort zu wenden. Möglicherweise ist es den Eigentümern der Wiese ja zuviel Arbeit, sie zu pflegen und Sie können zusammen mit anderen bzw. in Zusammenarbeit mit einem Umweltverband Hilfe anbieten und so die Streuobstwiese erhalten. Vielleicht müssen ja auch neue Bäume gepflanzt werden, da die vorhanden überaltert sind.

Mit freundlichen Grüßen, auch von Reiner Weischedel,
Dorte Eisenbeiß

Freundeskreis Eberstädter Streuobstwiesen e.V.

6.11.

danke für Ihre rasche Antwort, kann ich Sie denn vielleicht zu den ideellen Unterstützern des Projektes zählen und z.B. in einem Blogbeitrag nennen und verlinken? Das wäre schon eine große Hilfe.
Viele Grüße und alles Gute weiterhin
Inga Wocker


Nachtrag 30.11.

Frau Schlossorsch von der Naturschutzstiftung des Landkreises Cuxhaven hat sich letzte Woche schwer ins Zeug geschmissen und nochmal alle Register gezogen.

Doch wieder einmal sind Regeln, Gesetze und besonders vor kurzem beschlossene Änderungen eindeutig gegen das Projekt: Die Bäume stehen auf einer zu kleinen Fläche, um sie unter Naturschutz stellen zu können. Wobei nicht das Gesamtgrundstück zählt, sondern nur der Platz, den die 8 Bäume einnehmen. Die Sitzung für die Auswahl der Förderprojekte 2011 war leider auch schon, d.h. die Gelder sind bereits anderweitig verplant.

Trotzdem ganz herzlichen Dank für diesen engagierten Einsatz, das ist nicht selbstverständlich.


Nachtrag 23.11.

Streuobstwiesenprojekt letzte Woche im Finanz-, Tourismus- und Heimatpflegeausschuss der Gemeinde Oberndorf vorgestellt. Mailanfragen zu finanzieller und ideeller Unterstützung an die Samtgemeinde Am Dobrock und die Naturschutzstiftung Landkreis Cuxhaven. Recherche wegen Treuhandanderkonto und Fördervereinsgründung.


Nachtrag 19.11.

Mailaustausch mit der Stiftung natur mensch kultur (=Stiftung bio verlag), Aschaffenburg:
(Anmerkung: ich rechne nicht mehr mit einer positiven Antwort...)

3.11.

Sehr geehrte Frau Kauffmann,

ich habe gerade in der Schrot und Korn einen Bericht über Ihre sehr erfolgreiche Stiftertätigkeit gelesen, und da Sie auch Projekte im Bereich Naturschutz unterstützen, wende ich mich hoffnungsvoll an Sie.

Auf der Nachbarweide meines Hofes in Oberndorf (Hasenfleet), stehen noch 8 alte Apfelbäume, die voraussichtlich diesen Winter zu Feuerholz verarbeitet werden. Ich habe schon einiges versucht, um die Besitzerin umzustimmen und wollte ihr nun als letzte Möglichkeit ein Kaufangebot machen. Ein Gastbeitrag ist dazu auch schon im Internet erschienen:

http://www.das-wilde-gartenblog.de/2010/11/02/gastbeitrag-projekt-streuobstwiese-eine-tragoedie/

Kann Ihre Stiftung mich dabei finanziell oder ideell unterstützen? Das wäre echt toll. Ich versuche es auch noch bei den Kollegen von BUND und NaBu, Streuobstwiesen Eberstadt und Voelkel.

Vielleicht ist doch noch was zu retten.
Viele Grüße
Inga Wocker


7.11.

Sehr geehrte Frau Wocker,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Leider können wir Ihnen hier nicht helfen. Es gibt meines Wissens im Norden Deutschlands eine Verordnung die alte Bäume auf Grundstücke vor dem Fällen schützt, jedoch nicht in Bayern. Letztendlich bestimmt hier der Besitzer. Ich würde Ihnen empfehlen, ein paar neue Obstbäume auf einem anderen Grundstück zu pflanzen, oder vielleicht könnten Sie sich ein paar Obstbäumen betagter Besitzer annehmen.

Viel Erfolg!

Mit freundlichen Grüßen

Jutta Stürmer


8.11.

Sehr geehrte Frau Stürmer,

ich glaube, hier liegen ein paar Missverständnisse vor: Oberndorf/Oste ist in der Nähe von Cuxhaven und damit Niedersachsen.

Ansonsten hatte ich gedacht, dass eine Stiftung vor allem Geld bereitstellt oder zumindest Naturschutzprojekten mit einem finanziellen Zuschuss bei ihrer Arbeit unterstützt, es geht mir ja nicht in erster Linie darum, irgendwo 5 neue Apfelbäume zu pflanzen und auch nicht darum, dass ich mich hier auf meinem Hof langweile, nicht ausgelastet bin und daher dringend anderer Leuts Bäume pflegen muss.

Aber wenn hier schonmal ein Ansatz von einer Streuobstwiese vorhanden ist, und dieser Lebensraum nachweislich immer seltener wird und ähnlich wie alte Rassen auf der Roten Liste steht, sollte man doch meiner Ansicht nach alles versuchen, damit solche Lebensräume erhalten und ausgebaut werden können, oder?

Und so hatte ich auch den Zweck Ihrer Stiftung gesehen. Ich würde mich also sehr freuen, wenn Sie mich bei diesem Projekt vielleicht doch unterstützen könnten.

Viele Grüße
Inga Wocker


Nachtrag 16.11.

Streuobstwiesenprojekt gestern beim NaBu und heute beim BUND vorgestellt.

5 Apfelbäume alte Sorten als "Ausgleichsmaßnahme" gepflanzt.


Nachtrag 10.11.

Auf meine Anfrage nach dem ha-Preis hier in Hasenfleet habe ich von Frau Förster vom Landvolk Hadeln eine schnelle und sehr wichtige Info erhalten, danke. Wir brauchen also gar nicht soviel wie ursprünglich veranschlagt, sondern max. € 33.000.- Vielleicht ermutigt das den ein oder anderen doch noch zu spenden?

Hallo Frau Wocker,

ich kann Ihnen gerne anhand der sog. Bodenrichtwerte (wird 1 x pro Jahr vom Landkreis Cuxhaven erstellt aufgrund der physischen theoretischen Ertragskraft und Bodenwerten) für den Bereich Hasenfleet Hier: Grünland steht der hektar JE NACH BODENBESCHAFFENHEIT (d. h. bei Staunässe durch moor weniger als bei drainageflächen etc.) zwischen 4.000,-- und max. 5.500,-- Euro.

Ich hoffe ich konnte Ihnen damit weiterhelfen. Toll, dass Sie die Bäume retten wollen!!!

Mit freundlichem Gruß aus dem
Haus der Landwirtschaft in Otterndorf

Sabine Förster


Nachtrag 3.11.

Gastbeitrag erscheint bei Claudia Klinger in "Das wilde Gartenblog", Danke:
http://www.das-wilde-gartenblog.de/2010/11/02/gastbeitrag-projekt-streuobstwiese-eine-tragoedie/

Ich schreibe Mails mit der Bitte um finanzielle oder ideelle Unterstützung an NaBu, Regionalgruppe Oederquart und Wingst, BUND, Regionalgruppe Cuxhaven und Stade, Streuobstwiese Eberstadt, Voelkel und Stiftung bio verlag.


Nachtrag 12.10.

Ich habe die Besitzerin auf dem Heimweg getroffen. Nach dem üblichen allgemeinen Geplänkel habe ich all meinen Mut zusammengenommen und nochmal die Apfelbäume angesprochen: Da renne ich offensichtlich gegen eine Wand, sie verkauft die Teilstücke nicht, weil sie dazu das Grundstück neu vermessen lassen müsste und sich das für rund einen ha nicht lohnt. Wenn überhaupt, müsste das gesamte Grundstück von 6 ha gekauft werden, und - das sagte sie mir in aller Deutlichkeit - das könne ich ja nicht bezahlen, womit sie vermutlich sogar recht hat ;-))).

Nun meine neue Überlegung: Wäre es dann aber vielleicht möglich, gemeinschaftlich das Geld aufzutreiben? Wenn ich von einem ha-Preis von 10.000.- Euro ausgehe, wären das 60.000.- Euro, die möglichst rasch zusammenkommen müssten. Ich könnte ein Treuhandkonto einrichten, damit die Sache transparent und abgesichert ist, und würde auch nochmal mit meiner Bank (GLS) über Kreditmöglichkeiten, Zuschüsse, Förderung o.ä. sprechen. Da das jedoch natürlich auch wieder Zeit und Geld kostet, wäre ich schon ganz froh, wenn ich wüsste, ob und wer wieviel beitragen könnte. (Vorabmail an info@patchworkhof.de). Ihr seid natürlich dann entsprechend eurem Anteil Miteigentümer, das ist ja klar! Und ich wäre euch wirklich sehr sehr dankbar.

***

Nachtrag 4.8.

ich habe mich entschieden und der Besitzerin doch noch einen ausführlichen Brief mit entsprechenden Erläuterungen meiner Beweggründe zur Erhaltung der Bäume geschrieben. Jetzt hoffe ich auf eine (hoffentlich positive) Antwort.

***

Hallo M.,

mir gehen Deine schönen Apfelbäume nicht aus dem Kopf. Ich finde es so schade, dass sie vermutlich nach und nach abgesägt werden sollen. Daher will ich versuchen, Dir die Gründe, die mich zu diesem Einsatz bewegen, nochmal näher zu erläutern:

Flächen mit alten Obstbäumen, sog. Streuobstwiesen, dienen zahlreichen Tieren und Pflanzen als Lebensraum, z.B. Bienen, Libellen, Schmetterlingen, Vögeln, Heilkräutern, Salamandern und hier in Niedersachsen auch dem selten gewordenen Steinkauz.

Seit den 60er Jahren sind rund 70% solcher Flächen verschwunden, weil sie als reine Grünland- oder Ackerfläche genutzt und damit verbunden meist intensiv bewirtschaftet werden, d.h. durch die Maschinen und den verstärkten Einsatz von Dünger, Unkraut- und Schädlingsvernichtungsmitteln sind viele Wildpflanzen und Tiere vertrieben worden.

Diese Flächen haben aber zahlreiche wichtige Funktionen im Kreislauf der Natur: Durch Bäume und Hecken und den höheren Bewuchs unter den Bäumen halten sie den Wind und starke Sonnenstrahlung ab und schützen so den Boden vor Austrocknung, Abtragung und Verdichtung, was wiederum zu Überschwemmung, Verschlammung und weiterer Bodenabtragung führt.

Zahlreiche Tiere und Pflanzen, die diesen Lebensraum bevölkern, stehen inzwischen schon auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, ja der Lebensraum selbst gehört zu den bedrohtesten Biotopen in ganz Europa.

Landwirtschaft lebt aber von den "Kleinen", sei es bei der Bestäubung auf dem Acker, sei es bein Erhalt eines guten Bodens in der Erde, ohne Insekten, Würmer, Vögel, etc. gibt es auch keine Kulturpflanzen, das Bienensterben ist vielleicht eine Art Warnschuss, der uns zeigen soll, dass alles miteinander verbunden ist und jeder in diesem Kreislauf eine wichtige Rolle spielt.

Ich möchte Dir daher einen Kompromiss vorschlagen:
Wie wäre es, wenn ich Dir nur die beiden Feldblockstücke Nr. 04 0425 0330 und 0331 von je 0,58 ha (ges. 1,16 ha) abkaufe und damit die bestehenden Bäume erhalten und noch weitere dazupflanzen könnte? Eine Durchfahrt zur Restfläche würde ich für H. natürlich freilassen, so dass er den hinteren Teil wie bisher weiternutzen könnte. Wenn Du damit einverstanden wärst, würde ich dann auch mit ihm sprechen, um eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten annehmbar ist. Dein Pachtvertrag könnte dann mit dieser kleinen Änderung auch einfach weiterlaufen.

Was meinst Du? Wäre das nicht vielleicht doch eine akzeptable Möglichkeit? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn die Bäume stehenbleiben dürften und wir gemeinsam diesen wertvollen Lebensraum erhalten könnten.

Alles Gute und viele liebe Grüße aus Hasenfleet
Inga

P.S. Ich schreibe Dir das alles, damit Du meine Gründe nochmal schriftlich vor Dir hast und in Ruhe darüber nachdenken und auch mit Deiner Familie besprechen kannst. Im Gespräch geht ja oft das ein oder andere unter oder wird missverstanden und dazu ist mir die Sache zu wichtig.

***

Nachtrag 15.7.

Ich war letzte Woche bei der Besitzerin, sie verkauft nicht ("solange ich lebe..."). Da sie die Äpfel nicht mehr ernten kann, haben die Bäume für sie und ihre Kinder keinen Wert mehr, lediglich noch als Feuerholz für den Winter. Da es auch für den Pächter besser wäre, wenn die Bäume weg wären, da er dann mit dem Mäher ganz bequem die komplette Weide mähen und Heu machen könnte, habe ich wohl schlechte Karten, da nützt auch Geld nix, schade.

Und da es hier eben nicht um zig ha Tropenwald geht, sondern "nur" um 8 alte Apfelbäume, wird auch kein Sturm der Entrüstung durch die Presse gehen und tausende Protestbriefe an die Besitzerin geschrieben werden ;-))) Und damit sind wir wieder beim Thema Quantität und Qualität bzw. Prioritäten setzen und der Frage was ist wichtig.

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