Donnerstag, 7. Mai 2026

Gedanken

Wie hätten wir uns in der Nazizeit verhalten, diese Frage taucht immer wieder auf, wenn über damalige Zeitzeugen geurteilt wird. Das ist schon längst keine hypothetische Frage mehr, denn wir befinden uns längst mittendrin und können gerade jetzt zeigen, wie wir uns verhalten. Tatsache ist, dass der Faschismus nicht laut und deutlich mit viel Brimborium ankommt und sagt Hallo, hier bin ich, sondern sich still und heimlich einschleicht und längst da ist bzw. nie weg war. Wenn Menschen unterteilt werden, hier die guten Deutschen, dort die bösen Ausländer, hier die tüchtigen Arbeiter, dort die faulen Bürgergeldempfänger, die Behinderten, die Alten, die Kranken, etc., dann ist das bereits Selektion, Abwertung, verachtend und widerspricht allen moralischen und ethischen Grundsätzen wie Menschenrechte, die Würde des Menschen ist unantastbar, alle Menschen sind gleichberechtigt, etc. Und diese Zuordnungen haben ja bereits jetzt ganz konkrete Konsequenzen, sie "berechtigen" dazu Menschen abzuschieben, ihnen Leistungen zu kürzen, sie nicht als gleichwertige Individuen zu sehen.

Wer definiert denn, wer "deutsch" ist, was "leistungsfähig" bedeutet, welche Menschen "nützlich" für unsere Gesellschaft sind? Wir sind schon mittendrin in diesem "Nazisprech" in diesen Denkkategorien, Nummernmenschen, die man problemlos ausschließen kann aus dem "gesunden, leistungsfähigen Volkskörper". Und das ist keine Überzeichnung oder Schwarzseherei sondern längst Realität. Wir sind schon wieder ein Faschistenvolk und eine große Gefahr für alle, die vermeintlich nicht dazugehören.

Und genauso wie die damaligen Menschen wiegeln wir ab, verharmlosen, schauen nicht hin, fühlen unsere Ohnmacht und resignieren, ziehen uns die Decke über den Kopf, wird schon nicht so schlimm werden. Doch, wird es bzw. ist es. Das was der sog. "Sozialstaat" kaputtmacht, muss von Ehrenamt, Vereinen, Engagierten, Empathiefähigen aufgefangen werden. In einem so reichen Staat wie Deutschland gibt es Tafeln, Kleiderkammern, ehrenamtliche Beratung und Begleitung. Wenn ich wieder einmal eine Petition unterschreibe, wo Menschen abgeschoben werden sollen, die seit Jahren hier leben, arbeiten, zur Schule gehen, studieren, etc., und es gibt unzählige davon, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich längst nicht mehr in einer funktionierenden Demokratie sondern eher in einer Monarchie o.ä. lebe, die Petition das neue Gnadengesuch an einen tyrannischen Herrscher, Gesetze, Asylrecht Fehlanzeige.

Die Juden haben damals gedacht, ihnen passiert schon nichts, sie haben im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft, sie sind in ihrem Ort angesehen, sie arbeiten, sind "nützlich", die Selektion wird keine weiteren Folgen haben, sie haben sogar oft ihre Loyalität zum Hitlerstaat verkündet. Es sind nicht nur ein paar Rowdies, schwarze Schafe, die wahllos Menschen zusammenschlagen, umbringen, quälen nur weil sie nicht in ihr faschistisch-ideologisch geprägtes Menschenbild passen, dieses Denken ist schon längst wieder/immer noch gesamtgesellschaftlich verankert und so "normal", dass es im Alltag einfach untergeht und ignoriert werden kann.

Es gibt einen Film "In and Out", da wird am Ende ein schwuler Lehrer aus dem Kollegium ausgeschlossen und mit einem Trick wird eindrücklich gezeigt, wie absurd das ist: Erst "outet" sich ein Schüler, dann noch einer und noch einer, schließlich der Friseur, die Verkäuferin, der Vater von ihm, etc. etc. Ich habe dabei sofort gedacht, was wäre gewesen, wenn in Hitlerdeutschland alle einen Judenstern getragen hätten? Wenn heute alle sagen würden, ich bin schwul, behindert, Ausländer, Jude was auch immer. Das wäre zum einen ein Akt der Solidarität mit allen, die immer noch oder immer wieder ausgegrenzt wurden und werden, und würde zum anderen ein massives Gegengewicht zu dieser verdammten Naziideologie darstellen, die uns jetzt und heute und immer wieder herausfordert.

Also Farbe bekennen, nicht erst morgen: Mensch ist Mensch. Du und du und du und ich. Und das sagen, immer wieder, auch wenn es eine Sisyphosarbeit ist und vielleicht wie damals nicht reichen wird? Ich sage es mir selbst und allen immer und immer wieder, wir sind hier wir sind laut, weil man uns die Menschlichkeit klaut. Nein, das ist zu einfach, weil WIR uns sonst die Menschlichkeit klauen, weil WIR uns sonst eines Tage vielleicht fragen müssen, wie konnte das passieren. Und wir haben keine Entschuldigung, denn wir kennen alle Fakten und wissen, wie es damals lief, den gleichen Fehler zweimal machen ist einfach nur dumm.

Donnerstag, 16. April 2020

meine aktuelle Viererbande

da kommen sie alle gemütlich von der Weide

jetzt haben sie mich entdeckt

vorne die beiden Älteren Britta und Astrid

und die beiden Jungen Clara und Dora

wollen wir wirklich schon in den Stall?

komm lass uns abhauen und noch ein bisschen den sonnigen Tag genießen...

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Nur ein paar Gedanken

Ich war nie dafür Unkraut totzuspritzen oder prophylaktisch Antibiotika zu geben, Turbokühe mit Eutern so dick, dass sie kaum laufen können und Mastrassen mit einem Wachstumsgen, das nicht gestoppt wird – die ganzen traurigen Auswüchse der modernen Landwirtschaft. Und trotzdem sind mir auf der anderen Seite die Auswüchse des Protestes zu viel, zu laut, zu sehr darauf bedacht anzuklagen, mit dem Finger auf andere zu zeigen, mitbrüllen, weil es gerade in ist, weil man so gerne ein guter Mensch ist bzw. scheinen möchte.

Als Stadtkind aufgewachsen war für mich klar, dass ich kein Tier töten kann und folgerichtig auch kein Fleisch essen darf. Es war mir schon damals unverständlich, wie viele Menschen den Zusammenhang Tier – Schlachten – Fleisch voneinander trennen und das eingeschweißte neutrale Stück Fleisch oder die Wurst gedankenlos essen können und gleichzeitig Tiere töten furchtbar finden.

Auf dem Land und durch den Aufbau einer kleinen Landwirtschaft wurden mir die Zusammenhänge noch deutlicher, vieles von dem, was sonst getrennt voneinander erlebt und erfahren wird, ist hier eine Einheit: Schafe bekommen Lämmer, und einige Lämmer überleben das erste Jahr nicht, Geburt und Tod sind allgegenwärtig, leben, aufwachsen, sterben und auch schlachten sind eng miteinander verbunden.

Du hältst Tiere, übernimmst die Verantwortung für ihr Leben, ermöglichst ihnen ein artgerechtes Leben und arbeitest dafür, jeden Tag, ohne Wochenende und Urlaub, bei jedem Wetter. Es bleibt ein Kompromiss, denn nicht alle Bedürfnisse lassen sich komplett erfüllen, aber selbst die Natur schafft das nicht.

Meinen Tieren geht es gut, sie haben das ganze Jahr über Weidegang, sie leben in ihrer Herde friedlich zusammen, haben im Winter Schutz im Stall oder Unterstand und Futter und Wasser, und anders als die Wildtiere müssen sie sich keine Gedanken darüber machen, wo das Futter herkommt und ob es reichen wird, ob sie der Kälte, Unwettern oder Schnee trotzen können oder Beute eines Fressfeindes werden.

Durch die tägliche Arbeit für die Tiere und das Eingebundensein in diesen Kreislauf ist es für mich daher nur eine logische Konsequenz, wieder Fleisch zu essen. Ich helfe Lämmern im Bedarfsfall auf die Welt, ich habe einen im Rivalenkampf schwerverletzten Hahn notgeschlachtet, und ich kümmere mich bis zu ihrem Tod um sie. Die Verbundenheit zu ihnen ist stärker und geht weit über die „wie süß, wie süß“- Tierliebe vieler Städter hinaus.

Und dann stehe ich plötzlich auf der „falschen Seite“? Die Kuh ist der Buhmann, weil sie pubst und damit zum Klimakiller mutiert? Kein Fleisch essen erscheint sinnvoller als den SUW stehenzulassen oder auf den Flugurlaub in den Süden zu verzichten? Die Fleischbestellungen brechen ein, so dass ich gezwungen bin, meine Tiere weit unter Wert über den Viehhandel zu verkaufen, und meine Jahreseinnahmen so schrumpfen, dass ich über Alternativen nachdenken muss.

Nächstes Jahr findet die 10. „Wir haben es satt“-Demonstration statt, viele beteiligen sich daran, lautstark und mit gutem Gewissen, denn „die da oben“ müssen endlich was tun, die Agrarlobby, die Politiker, alle sind schuld. Dass aber für einen Landwirt ein Fleischpreis von € 2,50/kg zur Existenzfrage werden kann, wenn er dafür z.B. ein Rind für zwei Jahre füttert, pflegt, versorgt und ihm ein artgerechtes Leben ermöglicht, das macht sich der Plakateschwenker dabei nicht klar, Hauptsache laut, so einfach ist das?

Samstag, 3. August 2019

Kühe im Sommer

 nur nicht zu weit vom Schatten entfernen

 ich hoffe, du füllst den Wasserbottich...

 in den Binsen lässt sichs aushalten

 und fressen geht immer

 gut versteckt

ich geh wieder in den Schatten...

Montag, 22. Juli 2019

Neva im Einsatz

ich hab sie schon im Blick, die Kühe

auch die auf der Nachbarweide

ob nah, ob fern

alles unter Kontrolle

schön zusammenbleiben

na, bin ich gut?

Samstag, 20. Juli 2019

Schafe und Lämmer 2019, Teil 2

Überrschungsmama Johanna (Lamm von 2018) und Mädchen

Größenvergleich: Fanny-Junge (13.4.), Emily (kleines Ouessantschaf), Johanna-Mädchen (28.4.)

 
Mathilda und Junge

Susi und Junge

nochmal ein bisschen genauer

Überraschungsmama Anna (recht altes, kleines, scheues Ouessantschaf) und Mädchen

Freitag, 19. Juli 2019

Schafe und Lämmer 2019, Teil 1

 bunte Herde im Sommer

 Irma und Mädchen

 Fanny und Junge

 Nina und Junge

 Thea und Mädchen

und Ben, der stolze Vater